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Paul Gerhardt

Paul Gerhardt zählt zu den größten deutschen Liederdichtern. Seine Texte sind in viele Gesangsbücher aufgenommen worden, denn noch heute ermutigen sie viele Menschen.
Obwohl er durch den Dreißigjährigen Krieg und den frühen Tod seiner Frau und vier seiner fünf Kinder viel Schweres erlebt hat, zeugen seine Lieder von großem Gottvertrauen.
Paul Gerhardt wurde am 12.03.1607 in Gräfenhainichen bei Wittenberg geboren. Sein Vater war Bürgermeister und Gastwirt. Nach dem frühen Tod seiner Eltern trat er 1622 in die Fürstenschule in Grimma ein. Dort lernte er u. a. die lateinische Sprache und wurde im Gesang ausgebildet.

Mitten in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) begann er Anfang 1628 sein Studium der Theologie in Wittenberg, der Stadt Luthers. Er sollte sich noch als starker Verfechter der lutherischen Theologie erweisen. Seit 1643 war er als Hauslehrer in Berlin tätig. Obwohl es nur wenige Quellen zu Paul Gerhardts Leben gibt, ist überliefert, dass er bis 1651 als solcher bei dem Kammergerichtsadvokaten Berthold diente.
Erst 1651 erhielt Paul Gerhardt im Alter von 44 Jahren seine erste Pfarrstelle, was damals nicht außergewöhnlich war, denn nach dem Dreißigjährigen Krieg waren viele Kirchen und Pfarrhäuser zerstört. Paul Gerhardt wurde Probst an der Kirche St. Moritz in Mittenwalde. Am 11.02.1655 heiratete er Anna Maria, die jüngste Tochter des Kammergerichtsadvokaten Berthold, die er in Berlin kennen gelernt hatte. Er war damals 48, sie 32 Jahre alt. Doch das Ehepaar sollte schon bald Schweres erleben. Die erste Tochte starb ein halbes Jahr nach der Geburt.

1657 nahm er den Ruf als Diakonus an die St. Nikolaikirche nach Berlin an, wobei er sich die Entscheidung nicht leicht machte und immer wieder nach dem Willen Gottes fragte.
In dieser Zeit wollte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg die jahrzehntelangen theologischen Streitigkeiten zwischen Lutheranern und Reformierten beenden und erließ ein Toleranzedikt, das u. a. die Verpflichtung der Pfarrer auf die Konkordienformel aufhob. Die war aber für die Lutheraner ein wichtiger Teil ihrer Bekenntnisschriften. Wie andere lutherische Pfarrer fühlte sich auch Paul Gerhardt durch sein Ordinationsgelübte an diese Formel gebunden und verweigerte 1664 die Unterschrift unter die kurfürstliche Verordnung. Deshalb wurde er 1665 seines Amtes enthoben, hatte jedoch sehr viele Anhänger. Diese reichten eine Vielzahl von Bittschriften ein. Deshalb wollte ihn der Kurfürst 1667 wieder in sein Amt einsetzen - jedoch unter der Bedingung, dass Paul Gerhardt das Edikt auch ohne Unterschrift einhalten werde. Die Bedingung glaubte Paul Gerhardt aus Gewissensgründen ablehnen zu müssen und verzichtete auf sein Amt.
Auch in seinem persönlichen Leben machte Paul Gerhardt leidvolle Erfahrungen. Er verlor vier seiner fünf Kinder und seine Frau starb im Alter von 45 Jahren. Seit der Geburt seines letzten Sohnes war sie krank und starb am 05.03.1668. Sie wurde neben ihren Eltern und Kindern in der Nikolaikirche hinter der Kanzel beigesetzt.
Seine letzte Stelle hatte Paul Gerhardt 1669 als Archidiakonus in Lübben im Spreewald inne. Dort scheinen keine Lieder mehr entstanden zu sein. Am 27.05.1676 starb er und wurde am 07.06.1676 in der Kirche zu Lübben, die heute seinen Namen trägt, bestattet. Nur sein Sohn, Paul Friedrich, überlebte ihn.

Paul Gerhardt gilt bis heute neben Martin Luther als der größte Kirchenlieddichter des deutschen Protestantismus. Die Zeit zwischen 1643 bis 1653, als er in Berlin und Mittenwalde war, zählt zu der seines größten dichterischen Schaffens. Im Gesangbuch "Praxis pietatis melica" von Johann Crüger aus dem Jahre 1647 waren 18 Lieder Paul Gerhardts enthalten, u. a. die bekannten Lieder "Wach auf, mein Herz, und singe", "Nun ruhen alle Wälder", "Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld" und "Auf, auf, mein Herz, mit Freuden". Die Ausgabe von 1653 enthielt bereits 82 Lieder. Die Gesamtausgabe von Paul Gerhardts Werken enthält 134 deutsche und 14 lateinische Lieder und Gedichte.
Paul Gerhardts Lieder werden noch heute gern und oft im Gottesgienst gesungen.

Weitere Gedichte Paul Gerhardts gefunden:

In Berlin sind drei neue Gedichte des Lübbener Kirchenlieddichters Paul Gerhardt in lateinischer Sprache entdeckt worden. Bei Arbeiten zu einer wissenschaftlichen Edition der lateinischen Texte des Barockdichters habe der Heidelberger Philologe Reinhard Düchting zwei Hochzeitsgedichte und ein Leichengedicht gefunden, sagte der Geschäftsführer der Paul-Gerhardt-Gesellschaft, Winfried Böttler, gestern. Bislang waren neben 130 Kirchenliedern nur 14 lateinische Festgedichte des Theologen bekannt.

(entnommen aus der LAUSITZER RUNDSCHAU vom 04.06.2008)  

 

Der Wortlaut des Testaments aus dem Jahre 1676 (an seinen Sohn):

Nachdem ich nunmehr das 70. Jahr meines Alters erreichet, auch dabei die fröhliche Hoffnung habe, daß mein lieber frommer Gott mich in kurzem aus dieser Welt erlösen und in ein besseres Leben führen werde, als ich bisher auf Erden gehabt habe, so danke ich ihm zuvörderst für alle seine Güte und Treue, die er mir von meiner Mutter Leib an bis auf jetzige Stunde an Leib und Seele und an allem, was er mir gegeben, erwiesen hat.

Daneben bitte ich ihn von Grund meines Herzens, er wolle mir, wenn mein Stündlein kommt, eine fröhliche Abfahrt verleihen, meine Seele in seine väterlichen Hände nehmen und dem Leibe eine sanfte Ruhe in der Erde bis zu dem lieben jüngsten Tage bescheren, da ich mit allen Meinigen, die vor mir gewesen und auch künftig nach mir bleiben möchten, wieder erwachen und meinen lieben Herrn Jesum Christum, an welchen ich bisher gegläubet und ihn doch nie gesehen habe, von Angesicht zu Angesicht schauen werde.

Meinem einigen hinterlassenen Sohn überlasse ich von irdischen Gütern wenig, dabei aber einen ehrlichen Namen, dessen er sich sonderlich nicht wird zu schämen haben. Es weiß mein Sohn, daß ich ihn von seiner zarten Kindheit an dem Herrn meinem Gott zu eigen gegeben, daß er ein Diener und Prediger seines heiligen Wortes werden soll. Dabei soll er nun bleiben und sich daran nicht kehren, daß er nur wenige gute Tage dabei haben möchte, denn da weiß der liebe Gott schon Rat zu und kann das äußerliche Trübsal mit innerlicher Herzens-Lust und Freudigkeit des Geistes genugsam ersetzen.

Die heilige Theologiam studiere in reinen Schulen und auf unverfälschten Universitäten und hüte dich ja vor Synkretisten, denn die suchen das Zeitliche und sind weder Gott noch Menschen treu. In deinem gemeinen Leben folge nicht böser Gesellschaft, sondern dem Willen und Befehl deines Gottes. Insonderheit 1. tue nichts Böses in der Hoffnung, es werde heimlich bleiben, denn es wird nichts so klein gesponnen, es kommt an die Sonnen. 2. Außer deinem Amte und Berufe erzürne dich nicht. Merkst du denn, dass der Zorn dich erhitzet habe, so schweige stockstill und rede nicht eher ein Wort, bis du erstlich die zehn Gebote und den christlichen Glauben bei dir ausgebetet hast. 3. Der fleischlichen Lüste schäme dich, und wenn du dermaleinst zu solchen Jahren kommst, daß du heiraten kannst, so heirate mit Gott und gutem Rat frommer, getreuer und verständiger Leute. 4. Tue Leuten Gutes, ob sie dir es gleich nicht zu vergelten haben, denn was Menschen nicht vergelten können, das hat der Schöpfer Himmels und der Erden längst vergolten, da er dich erschaffen hat, da er dir seinen lieben Sohn geschenket hat und da er dich in der heiligen Taufe zu seinem Kinde und Erben auf- und angenommen hat. 5. Den Geiz fleuch als die Hölle, laß dir genügen an dem, was du mit Ehren und gutem Gewissen erworben hast, ob es gleich nicht allzuviel ist. Bescheret dir aber der liebe Gott ein Mehres, so bitte ihn, daß er dich vor dem leidigen Mißbrauche des zeitlichen Gutes bewahren wolle.

Summa: bete fleißig, studiere was Ehrliches, lebe friedlich, diene redlich und bleibe in deinem Glauben und Bekennen beständig, so wirst du einmal auch sterben und von dieser Welt scheiden willig, fröhlich und seliglich. Amen